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Griechenland – ein Weg aus der Krise?

Dort, wo vor ein paar Jahren noch Touristen durch die Straßen strömten, findet man nun kaum noch Leben. Außer Drogenhandel und Prostitution ereignet sich im Zentrum Athens nichts mehr. Griechenlands steiler wirtschaftlicher Absturz prägt das Land, welches in keiner Weise mehr daran erinnert, was es einmal war. Die Straßen sind bedeckt mit Müll. Das einzige, was die größtenteils leerstehenden Kaufhäuser und Restaurants schmückt, sind Graffiti. Die  Menschen, die man auf den Straßen sieht, sind Drogen-Junkies und Obdachlose.

Griechenlands Rezession hinterlässt tiefe Wunden auf dem Arbeitsmarkt, in den letzten 3 Jahren ist die Arbeitslosenquote von 7,7 auf 18 Prozent gestiegen. Viele der Griechinnen und Griechen haben ihren Job verloren und sind ganz unten gelandet. Arbeitslosengeld gibt es maximal ein Jahr lang, danach muss man sehen wie man durchkommt. Wer weder Ersparnisse hat, noch Verwandte mit finanziellen Mitteln, muss die Nächte auf der Parkbank verbringen.
Die Wirtschaft steht am Abgrund und auch das politische System steckt in einer schweren Krise. Griechenlands Bürger zweifeln in ihrem Elend an der demokratischen Institution, die schweren Jugendkrawalle im Sommer letzten Jahres ließen über die soziale Spannung im Land nur ansatzweise mutmaßen.
Eins steht fest: Wenn die griechische Regierung den Absturz stoppen will und den Einbruch der Wirtschaft, der von Volkswirten im kommenden Jahr auf 7,4% geschätzt wird, muss eine Deregulierung stattfinden, neue Reformen sind nicht abzuwenden.
Doch bis jetzt hat sich da wenig getan. Obgleich Horst Reichenbach, Chef der EU-Expertengruppe, eine Chance für das Land sieht und mit Geduld einen Aufstieg erwartet, wird sich wohl wenig ändern, wenn die drei Parteien weiterhin lediglich ihren Sieg bei den Parlamentswahlen fokussieren und an dem mangelnden Wettbewerb der „geschlossenen Berufe“, welche im Wesentlichen die Ressourcen des Landes absorbieren, nichts ändern.
Griechenlands Wirtschaft muss nicht nur eine temporäre Rezession überbrücken, sie steckt in einer tiefen Krise und bei weiterem Ausbleiben eines Reformprozesses wird wohl auch die EU-Kommission, der IWF oder die Europäische Zentralbank wenig an einem raschen Zusammenbruch ändern können.
Viel Zeit bleibt nicht: im März muss die griechische Regierung mindestens 14,4 Milliarden Euro der Schulden abbezahlt haben, um nicht bankrott zu gehen.

Und das betrifft auch uns. Ganze 150 Milliarden Euro haben die Rettungspakete für Portugal, Irland und Griechenland bereits investiert. Willigen die Gläubiger ein, auf ihre Ansprüche zu verzichten, könnten die deutschen Steuerzahler mit Milliarden von Euro belastet werden.
Der Euro-Beitritt Griechenlands hat mehr Schaden als Nutzen gebracht und sich reichhaltig auf die europäische Wirtschaft ausgewirkt.
Dennoch: so extrem die Situation auch scheinen mag, sind die Konsequenzen für Deutschland nicht. Wenn auch die Steuerzahler für Verschuldungen des Staates aufkommen müssen, reicht bei den meisten Landesbanken und privaten Geldhäusern das Kapital aus, um den Verlust  zu begleichen. Auch die Versicherungen können den belanglosen Anteil ihrer Gesamtanlagen, den sie in Griechenland investiert haben, problemlos tilgen, sodass die Folgen kaum spürbar sind.
Sorgenfrei können auch Fondsanleger sein. Sowohl DWS, als auch die Deka, Union Investment und Allianz Global Investors, welche zusammen mehr als zwei Drittel des Kapitals bewirtschaften, haben nur eine geringfügige Summe ihres Vermögens investiert und mindestens einen Großteil der Schulden bereits selbst bereinigt.
Es ist also weder der Bankrott privater Banken, noch der Einsturz von Versicherungen zu befürchten, auch bei Anlagen in Aktien, Wertpapieren oder Immobilien werden kaum Spuren hinterlassen.

Das heißt jedoch nicht, dass die Krise um Griechenland zu unterschätzen ist, die  Bedrohungen findet man anderweitig. Sobald Griechenlands Banksystem endgültig zusammenbricht, kann das Land sich nicht mehr am Kapitalmarkt beteiligen. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass es zu einer Zuspitzung der Euro-Krise kommt und die Lage mit einer weiteren Verschuldung der Krisenländer unkontrollierbar wird.
Eins steht fest: um Griechenland aus der Schuldennot zu holen und ganz Europa vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu schützen, muss gehandelt werden.

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